Berufsstarter 2008

Was macht der Spiegel am liebsten? Sein junges Publikum portraitieren. Das sind studierte Affen mit einem Bachelor in Wirtschaftsinformatik und einem Auslandsaufenthalt in Neuseeland. Der Spiegel zeichnet in regelmäßigen Abständen das Psychogramm einer Generation, die es geschafft hat, sich die totale Unterwerfung unter die Wünsche der Firma, das Aussaugen von Lebenskraft im fast-forward-Modus für die Bilanz irgendeines Wirtschafsberatungsunternehmens, zum selbstbewußten Lebenszweck zu machen: „Seht her, was ich alles aushalten kann“, das ist die Quelle des Selbstbewußtseins dieser Leute. Das Projekt besteht darin, seinen Körper an seine absoluten Grenzen zu führen, weil er dem „Arbeitsgeber“ total zur Verfügung steht. Es wird kein Gedanke daran verschwendet, die Arbeit, die eigene Interessen nicht zulässt, einer Kritik zu unterziehen, vielmehr wird die Unmöglichkeit mit Null Freizeit eigene Interessen zu verfolgen zu einer Frage des geschickten Umgangs und des eigenen Willens Leid ertragen zu können uminterpretiert:

Mein nächstes Ziel ist kein Berufliches, sondern ein Privates: Ich will lernen, mit weniger Schlaf auszukommen und meine Freizeit so zu organisieren, dass sie mich nicht anstrengt, sondern mir Spaß macht.

Ich habe gelernt, mit weniger Schlaf auszukommen als früher. Und ich bin stressresistenter, lasse mich nicht mehr von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen. Ich entscheide schneller, bin pragmatischer und optimistischer geworden – für Problemchen und Kopflastigkeit fehlt mir die Zeit.

Null Freizeit ist kein Grund für Kritik an der Arbeit, sondern eine „Herausforderung“, der man sich selbstbewußt stellt, weil die 60-Stunden-Woche des „Arbeitgebers“ als unhinterfragbarer Sachzwang genommen wird:

Unter der Woche gehe ich nicht mehr aus, am nächsten Morgen will ich fit für die Arbeit sein.

Ich habe einen Beruf, in dem ich mich selbst verwirklichen kann. Jetzt muss es mir noch gelingen, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen.

Manchmal stört mich das ständige Planen. Zum Beispiel im August: Ich will aufs Robbie-Williams-Konzert gehen und muss mir dafür extra Urlaub nehmen – es ist nämlich unter der Woche. Aber daran gewöhne ich mich schon.

Statt sich das Interesse des „Arbeitgebers“ am zerstörerischen Verschleiß des eigenen Körpers und Geistes klar zu machen kommt es wie eine Art Naturkonstante vor, der man sich halt zu fügen hat. Und die man als „Herausforderung“ begreifen muss, um sich die Meinung zu bewahren, der Job wäre in Wahrheit für einen da, wäre von freundlichen Leuten zu dem Zweck eingerichtet, dass es einem im Leben nicht zu langweilig wird.

Klar stört es die Affen, kein Privatleben und keine Freunde mehr zu haben. Das Problem verorten sie allerdings in ihrem falschen Umgang mit der Freizeit. Am besten fahren jene, welche die Arbeit selbst zur Sphäre ihrer Selbstverwirklichung uminterpretieren, was sogar in Verehrung enden kann:

Trotzdem: Ich arbeite gern. Mit Kollegen etwas auf die Beine zu stellen, das ein Erfolg wird, ist ein echter Kick. Ich glaube, wer Spaß am Job hat, empfindet ihn nicht als Stress. Arbeiten hatte für mich immer etwas Mystisches

Und, grammatikalisch etwas schief:

Ich identifiziere mich viel über den Job: Bin ich mit meiner Arbeit unzufrieden, bin ich es auch mit mir.

Alle Zitate aus SPON von heute.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,563071,00.html