Verhungernde gefährden Deutschlands Sicherheit

Die Antifas rennen weiterhin ein paar Idioten hinterher und in der Welt des Kapitalismus passieren unterdessen folgende „Nebensächlichkeiten“:

In den vergangenen Monaten hatten gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise in mehreren Ländern wie Haiti und Ägypten zu gewaltsamen Unruhen geführt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprach in Washington mit Blick auf diese Entwicklung von einem „Monster“, das die politische Weltbühne betreten habe.

Wie wird die aktuelle Hunger“katastrophe“* verhandelt? So wie alle anderen davor auch. Nicht die Nöte der Menschen stehen im Vordergrund, sondern die Frage, was für Folgen das Verhungern für Deutschland und die deutsche Wirtschaft haben könnte. Von der Warte Deutschlands aus wird von deutschen Politikern die Frage gestellt, ob Verhungernde nicht einen Schaden an deutschen Interessen anrichten und kapitalistisches Geschäft durcheinander bringen könnten:

„Ich betrachte die steigenden Lebensmittelpreise … als eine Gefahr für Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und Frieden in der Welt“, sagte auch deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Sie vertritt Deutschland im Entwicklungsausschuss der Weltbank und misst dem Problem große Sprengkraft zu. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln könnte die Sicherheit in der Welt gefährden. | SPON von heute

Sterbende als „Sicherheitsproblem“. Geht es noch zynischer?

Was lässt die Leute eigentlich verhungern? Nicht ein Mangel an Lebensmitteln, sondern die Tatsache, dass Lebensmittel Privateigentum sind und man einen Preis** bezahlen muss, um sie verspeisen zu können. Die Verkäufer versuchen dabei, soviel Geld wie möglich herauszuschlagen und nutzen selbst kleinste Nachfragespitzen aus, um die Preise hinaufzusetzen. Dazu kommt eine Heerschaar von Spekulaten, welche die Lebensmittelbranche als eine Anlagesphäre unter vielen betrachten (seit der Pleite mit den Immobilien sind Warentermingeschäfte DIE neue Spielwiese der Derivate-Ritter) und versuchen, die Preise an den Rohstoffbörsen zu ihrem Gunsten auszunutzen. Das „Monster“ ist also niemand anderes als der zivilisierte Kapitalismus:

Im vergangenen Jahr ist die weltweite Getreideproduktion um fast 5% ausgeweitet worden. Und trotzdem lassen gegenwärtig viele Entwicklungsländer mit Hungerprotesten aufhorchen. Der Zugang zu den Nahrungsmitteln wird durch hohe Weltmarktpreise verbaut.

So kann man das auch ausdrücken: der Preis „verbaut“ den Zugang. Und das ist sogar mal eine wahre Aussage.
Privateigentum tötet. Und steigen die Preise, dann sterben noch mehr Menschen ohne Geld als eh schon. Und das hat mit einer grundsätzlichen Unterproduktion nichts zu tun, wie selbst die NZZ feststellt:

Hunger ist nicht eine Folge mangelnder Nahrungsmittel, sondern des mangelnden Zugangs zu den Nahrungsmitteln. Die weltweite Getreideproduktion ist im vergangenen Jahr um 4,6% auf 2103 Mio. t gestiegen, und aus Haiti wird gemeldet, mehrere Personen seien bei Hungerprotesten getötet worden.

Große Agrarflächen (1/7) werden heute genutzt für die

Industrieverarbeitung zu Stärke, Süssstoffen und neuerdings Ethanol (rund 360 Mio. t)

Produziert wird also das, was sich lohnt, scheißegal ob es anderweitigen dringenden Bedarf gibt. Das ist auch ein Gesetz der Marktwirtschaft und ihrer freien Produzenten. Aber selbst das hat bisher noch nicht zu einer absoluten Unterproduktion geführt. Es deutet aber auf eine relative Vergrößerung der Nachfrage hin, welche von den Spekulanten an den Rohstoffbörsen antizipiert wird. Und diese Spekulation auf relativ kleine Verschiebungen von Angebot und Nachfrage treibt die Preise an den Börsen explosionsartig in die Höhe:

Mais ist seit letztem Herbst um 66%, Reis in den vergangenen zehn Monaten um etwa 75% teurer geworden. Der von der FAO berechnete Food-Price-Index ist innerhalb nur eines Jahres (März zu März) um 57% gestiegen. | alle Zitate aus NZZ von heute

P.S.: Es wird von der Presse auch eine „gute“ Meldung verbreitet, über eine anderes Gesetz der Marktwirtschaft. Da Lebensmittel überall teurer werden, werden nun wieder Brachflächen reaktiviert und die Produktion wird ansteigen. Steigt dann in ein paar Monaten bis Jahren das Angebot wieder signifikant, dann werden im Zuge der dann einsetzenden Überproduktionkrise auch die Preise wieder sinken. Kein Trost freilich für die Millionen Verhungernden, die das nicht mehr erleben werden und gerade verrecken, weil es zwar alles gibt, es für sie aber nicht erschwinglich ist.

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* Katastrophen ereignen sich in der Natur. Diese „Katastrophe“ ist aber eine von Kapitalistenhand.
** Wer den Preis bezahlten kann, für den existiert auch kein Mangel. Das ist hier so und auch in Haiti.


1 Antwort auf “Verhungernde gefährden Deutschlands Sicherheit”


  1. 1 kaputt 13. April 2008 um 20:00 Uhr

    und was ist wenn ich jetzt statt den nazis den spiegelredakteuren udn den pöhsen politikern hinterherrenne?
    bring doch endlich mal kritik, verdammt.

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