Tibet und die freie Presse

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich halte es für einen Fehler, im Fall Tibet Partei ergreifen zu wollen. Weder haben religiös durchgeknallte Volkstümler in Mönchskutten, die in rassistischer Manier vor einer „Überfremdung“ ihrer Heimat warnen, noch eine kapitalistische Zentralgewalt, die ihr flächendeckendes Gewaltmonopol sichern will, irgendwelche Sympathie verdient.

Nun zur Sache: China ist ein mächtiger Staat, der sich der deutschen Kontrolle weitestgehend entzieht. Das macht dieses Land zu einem Feindstaat. Allerdings zu einem, von dem man wirtschaftlich auch profitieren möchte. Also herrscht im offiziellen Verhältnis zu China eine gewisse Dialektik von Anfeindung und Pragmatismus vor.

Die allerdings nie die Feindschaft verschwinden lässt. Und die freie Presse des Westens ist sich dessen stets sehr bewußt:

(Der Dalei Lama )bot Peking seine Kooperation für jede Untersuchung an, ob er wirklich hinter den jüngsten Unruhen in China stecke. Im Gegensatz dazu hatte Chinas Führung die Forderung des Dalai nach einer internationalen Untersuchung abgewiesen, ob bei den Ausschreitungen bisher über 100 Menschen starben. Peking hat bisher 13 Tote eingeräumt. Chinas Unterdrückungs-Kampagne weitet sich inzwischen aus. (…)| Die Welt

So oder so ähnlich geht die Berichterstattung der freien Presse des Westens. Chinas Unrecht zeige sich an der Zahl seiner Opfer, hundert sind da mehr Unrecht als 13. Und nun wird fleißlich gezählt. Peking habe bisher 13 Tote „eingeräumt“, das soll natürlich so klingen, als wären diese 13 von chinesischen Soldaten getötet worden. Das der chinesischen Rgierung geschickt in den Mund gelegte Wort „einräumen“ suggiert das.

Bloß: China streitet sich in Wahrheit mit den Exil-Tibetern und der Westpresse gar nicht über die Zahl der Opfer, die China angerichtet hat. Vielmehr behauptet China, dass die 13 Toten auf das Konto von tibetanischen Randalierern gingen. Die freie Presse verdreht diesen Sachverhalt, weil sie die gute Sache der Tibeter für die sie offen Partei ergreift, nicht beschmutzt sehen will mit Blut, denn es soll ja die blutige Unterdrückung eines friedlichen, unendlich guten Volkes gezeigt werden, bei dem jeder (esoterisch etwas durchge***te) Westler seit jeher feuchte Augen kriegt:

4000 Meter hoch, auf dem Dach der Welt, hat sich eine einmalige Kultur entwickelt. Wenn ein Tibeter einen Spatenstich macht, dann schaut er sich die Schaufel genau an. Sind Würmer dran, Schnecken? Er klaubt die Tiere von seiner Schaufel. Ein Tibeter tötet nicht. Mord ist für einen Tibeter unvorstellbar. Auf 4000 Meter Höhe, auf dem Dach der Welt, hat der Mensch eine Kultur entwickelt, die unglaublich schön ist. Steine, Pflanzen, Vögel, Schnecken, Würmer sind Lebewesen. | BILD

Wie gesagt, ich will nicht darüber rechten, wer nun in Wahrheit wen gekillt hat. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass die freie Presse des Westens sich aus ganz freien Stücken ihres selbstgewählten Auftrages bewußt ist, Tatsachen nicht bloß zu berichten, sondern, im Sinne der Freiheit, auch richtig zu „interpretieren“.


10 Antworten auf “Tibet und die freie Presse”


  1. 1 Edgar 24. März 2008 um 22:58 Uhr

    … ein Tibeter tötet nicht ? Dazu gibt es einen freudestrahlenden Tibetischen von der CIA ausgerüsteten Terroristen für den es nichts schöners auf der Welt gibt als Chinesen umzubringen. Eine Suche nach CIA und Tibet macht s möglich. Der Film (etliche Folgen) ist natürlich nicht über heute, sondern den Nachkriegsterror der USA gegen China.

    ->
    Übrigens wer sind all diese Organisationen (neben CIA & Co) die für die Gewalt im Tibet verantwortlich sind ? Tibet Watch? gegründet 2006 mit TOP -Propaganda-Leuten?

    Sollten die Non-brainwashed Leute hier mal eine klare Sprache hören wollen empfehle ich diesen Artikel vom Autor des Buches »Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“ (alibri-Verlag), Colin Goldner, klinischer Psychologe und Wissenschaftsjournal :

    Gastkommentar: Der Rotkuttenmob :D

    Terror im Namen des Dalai Lama
    Von Colin Goldner
    Nichts kann China vor den Olympischen Spiele weniger gebrauchen als negative Presse. Grund genug für den Dalai Lama, für ebensolche zu sorgen. Mit ausdrücklicher Billigung »Seiner Heiligkeit« wurde am 4. Januar 2008 ein exiltibetischer Kampfverband gegründet, bestehend vor allem aus Mitgliedern des militanten »Tibetan Youth Congress«, mit dem Ziel, »direkte Aktionen« durchzuführen: »Wir werden den historischen Moment der Olympischen Spiele dazu nutzen«, so die als »Tibetan People’s Uprising Movement« (TPUM) ausgerufene Kampftruppe, »das Ende der chinesischen Besetzung herbeizuführen.« Im Internet kursierten wenig später erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

    es lohnt sich weiterzulesen bei:

    http://www.jungewelt.de/2008/03-17/026.php

    auch hier:

    In den ersten drei Tagen setzen sich diese Demonstrationen fort, ohne daß sich breitere Teile der Bevölkerung dafür interessierten oder sich gar den Protesten anschlössen.
    Am 13. März schlossen sich dann „Jugendliche“ dem Protest an. Diese griffen die chinesische Polizei mit Steinen an und zündeten chinesische Geschäfte an, in denen dann etliche Menschen verbrannten.
    Anschließend sprach die selbsternannte „Exilregierung“ Tibets von 100 Toten durch das chinesische Militär.

    www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=4259&Itemid=199

  2. 2 Edgar 24. März 2008 um 23:01 Uhr

    ach noch was:

    Interessante Aussagen aus einem Interview mit dem Journalisten Georg Blume, der wohl erst gestern Tibet verlassen hat.

    Zitat:
    Blume: … Der [ein Tibeter] nahm kein Blatt vor den Mund. Trotzdem sagte er: Die chinesischen Polizisten haben nicht geschossen am vergangenen Freitag, dem Ausbruch und vorläufigen Höhepunkt der Unruhen. Er vermutete, dass unter den Toten vor allem Chinesen waren, die in ihren Läden verbrannt sind.

    SPIEGEL ONLINE: Im Internet kursieren grausige Bilder von Toten, verbreitet von der Free Tibet Campaign – darauf sieht man zum Beispiel einen jungen Mönch mit blutverschmiertem Kopf mit einem Einschussloch am Becken …

    Blume: … wir müssen trotzdem sehr vorsichtig damit sein, die chinesischen Sicherheitskräfte vorschnell zu verurteilen. Im Moment können wir einfach nicht belegen, wer für die Toten am Freitag verantwortlich ist. Auch ich hielt am Anfang die Militärpolizei für schuldig. Zumal die ganze Stadt voller Uniformierter ist, da liegt der Schluss natürlich sehr schnell nah, dass scharf geschossen wurde. Je öfter ich aber mit Zeugen der Unruhen rede, desto unwahrscheinlicher scheint mir das.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,542568,00.html

    Durch einige andere suggestive Fragen, versuchte der Schpiggl trotzdem, den Reporter auf Linie zu trimmen. Ähnlich wie das ZDF durch Poschmann beim IOC-Bach.

  3. 3 Administrator 25. März 2008 um 14:23 Uhr

    Mein Untersuchungsgegenstand ist vor allem die freie Presse des Westens (das kann man wirklich so verallgemeinern, wenn man sich die Berichte anguckt, ein par kleinere linke Zeitungen sind wirklich die absolute Ausnahme von der erdrückenden Regel). Die kennt nichts Schlimmeres als „Zensur“, wenn also die von der Regierung gewaltsam durchgesetze Linientreue der Presse. Das gilt ihr als so ziemlich die größte Menschenrechtsverletzung überhaupt. Ich will zeigen, dass die Westpresse nicht weniger linientreu ist, wenn es die Lage erforderlich macht (Lügen und vor allem Verschweigen kritischer Positionen inklusive) und zwar aus ganz freien Stücken, ohne jeglichen staatlichen Druck.

  4. 4 bigmouth 25. März 2008 um 15:04 Uhr

    BILD und welt decken den freien westen ab? nimm‘ mal den mund nicht so voll. schau‘ dir vorher zum. cnn, bbc, washington post und new york times an

    „James Miles, a journalist with The Economist who happened to be in Lhasa during the riots, was praised on Chinese state television, though, after he reported in The Economist and gave an interview to CNN describing the riots and saying that Tibetans were singling out Han Chinese, burning their shops, throwing stones and assaulting them.“

  5. 5 der Klassensprecher von 1984 25. März 2008 um 15:33 Uhr

    Ja, und eine andere einsame Stimme war die des Journalisten Georg Blume, der von SpOn über seine Wahrnehmungen in Tibet interviewt wurde:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,542568,00.html

    Und? Haben die Erkenntnisse dieser beiden die Berichterstattung der westlichen mainstream Medien in irgendeiner Weise beeinflusst?

    Die Antwort kennst du.

    Von Flachpfeifen aus der Politik, wie der Grünen Christa Müller, die eben im DLF von den „eindeutig gewaltlosen Protesten“ der Tibeter schwadronierte, mal ganz abgesehen.

  6. 6 bigmouth 25. März 2008 um 15:41 Uhr

    die berichterstattung der nyt ist jedenfalls erheblich ausgewogener, die der FAZ wohl auch. euer „freier westen“ ist jedenfalls erstaunlich deutschlandzentriert

  7. 7 der Klassensprecher von 1984 25. März 2008 um 16:39 Uhr

    Der Hauptfeind steht im eigenen Land. ;)

  8. 8 Administrator 25. März 2008 um 16:46 Uhr

    @ bigmouth

    Erstens bin ich in der Tat etwas Deutschlandzentriert, kenne z.B. die übrige europäische Presse nicht. Ich habe nichts dagegen, die Debatte auf die deutsche Presse zu beschränken. Die FAZ berichtet sicher etwas seriöser was die Fakten anbelangt, ist aber auch parteilich. Sie wirft der übrigen Presse auch nicht vor, dass sie absichtsvoll Anti-China-Politik macht, sondern dass sie dabei so „ungeschickt“ agiert. Die FAZ fürchtet, dass man mit plumpen Manipulationen nur dem Feind in die Hände spielt:

    Alles, was nach außen dringt, unterliegt der Zensur

    Chinas Strategie ist so verständlich wie perfide: Es wirft den freien Medien des Westens die Verletzung von Regeln vor, an die es sich selbst nie halten würde. Korrespondenten wurden ausgewiesen, alles, was nach außen dringt, unterliegt der Zensur: Ein klares Bild kann sich niemand machen. Doch genau danach giert die Weltöffentlichkeit: nach klaren, einfachen Bildern. Es ist barer Unsinn, wenn China tönt, dass die westlichen Medien vom Dalai Lama manipuliert würden; die Manipulation besorgen sie selbst.

    Das Muster der Sensationalisierung wirkt durch das Internet noch stärker, es besagt, dass die Menschen Bilder sehen wollen, im Falle Tibets Bilder von brutalen Sicherheitskräften und verzweifelten Demonstranten. Dass diese Fotos nicht aus Tibet, sondern aus Nepal oder Indien stammten, diese Differenzierung haben die Redakteure ihren Lesern wohl nur zu gern erspart. Der Kampf um die Deutungshoheit über Tibet ist ein überaus ungleicher – allein weil die Chinesen ihn mit tödlichem Ernst bestreiten. Dass westliche Medien ihnen aus Nachlässigkeit oder purer Dummheit Munition liefern, das ist in der Tat unendlich bedauerlich. | FAZ

  9. 9 der Klassensprecher von 1984 25. März 2008 um 16:56 Uhr

    FAZ: „Die KPCh zwingt die westlichen Medien zu Nachlässigkeit und purer Dummheit!!11ölf!“

    Das ist ja fast so schön wie die Ausführungen von Ekel Alfred aus „Ein Herz und eine Seele“ (wird z.Zt. im NDR wiederholt).

  10. 10 Administrator 26. März 2008 um 0:16 Uhr

    Ein anderes Blatt von Springer, die B.Z., verzichtet sogar auf die „Exil-Tiber“ als Quellenangabe und stellt deren Angaben als Realität dar:

    Traurige Bilanz: Bislang rund 140 Tote, 1000 Tibeter wurden verhaftet. Weltweit sorgen Chinas Menschenrechtsverletzungen für Empörung. | B.Z.

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