Killerspiele verbieten!

Killderspiele

Killerspiele

Marx-Zitat des Tages

Fetischdienst
Verrückte Amis beten für die Rettung der US-Autoindustrie

„Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen. Durch dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich übersinnliche oder gesellschaftliche Dinge. So stellt sich der Lichteindruck eines Dings auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz des Sehnervs selbst, sondern als gegenständliche Form eines Dings außerhalb des Auges dar. Aber beim Sehen wird wirklich Licht von einem Ding, dem äußeren Gegenstand, auf ein andres Ding, das Auge, geworfen. Es ist ein physisches Verhältnis zwischen physischen Dingen. Dagegen hat die Warenform und das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist.“

Karl Marx, MEW 23, Das Kapital, S. 87

Wahre Worte

Der Begriff „Arbeitsplätze schaffen“ gefällt mir nicht. Unternehmer schaffen Güter und Dienstleistungen mit so wenig Aufwand wie möglich, und auch Arbeit.

(Theo Müller, „Müller-Milch“)

Statt Krise: Einfach öfter mal auf Sieg wetten!

Wenn man grad mal nicht nicht Möglichkeit hat Tinky-Winky (männlich, lila, dreieckige Antenne, rote Tasche) zum Thema „Finanzkrise“ zu interviewen, dann befragt SPON eben einen Herrn Dov (sic!) Seidman (Philosoph, Unternehmensberater und Autor des Bestsellers (sic!) „Die La- Ola- Welle. Es kommt nicht darauf an, was du tust, sondern wie“

So eine Lebenseinstellung hätte ich auch gerne. Aber der Mann kennt sich auch mit Kapitalismus und Krisen aus:

Guter Kapitalismus funktioniert so, dass man in eine Mannschaft investiert und viel dafür tut, dass sie gewinnt. Man ist der Mannschaft verbunden. Vielleicht wettet man sogar, aber nur auf den Sieg.

Im verdorbenen Kapitalismus wetten Sie darauf, wer ein Tor in den ersten zehn Minuten schießt. Oder wer den ersten Einwurf bekommt.
Du brichst die ursprünglichen Verbindungen auf zwischen Leistung und Profit, du fängst an zu spielen. Du verlierst die Verbindungen und das Verständnis für den Sozialvertrag(!) des Kapitalismus, du vergisst sogar, dass es diesen Vertrag jemals gab. Du verdienst Geld mit Geld und nicht mehr mit Waren, du pervertierst(!) das System.

Der Mann hat aber nicht nur eine Krisentheorie sondern auch eine Werttheorie anzubieten:

Die wirkliche Währung unserer Zeit ist Beständigkeit.

Und er kennt, im Unterschied zu Marx, einen Ausweg aus der Krise:

Eigentlich ist alles ganz einfach. Wenn wir die Vernunft des Menschen voraussetzen, hätte es die Krise nie geben dürfen. (…) Das ist der neue Wettbewerb: der Kampf darum, wer den anderen durch anständiges Verhalten übertrifft.

Quelle: SPON

Ich traue mich im Moment noch nicht, das ernsthaft zu kommentieren, vielleicht steckt ja die Titanic dahinter.

Untermenschen im Urlaub und im Krieg

Weil sich bisher partout kein Tibet-Aktivist im Vogelnest in die Luft sprengen wollte, gibt es heute zur Abwechslung mal wieder ein bisschen Hetze gegen Russland und sein Volk von Untermenschen.

Aus der BILD-Zeitung

Frage:

Haben auch Sie schon schlechte Urlaubs-Erfahrungen mit Russen gemacht? Diskutieren Sie mit!

Antworten:

Studentin Veronika Deleheva (28) und Angestellter Holger Gundrum (35) aus Frankfurt/Main kommen aus Side: „Wir haben unser Hotel umgebucht, weil dort so viele Russen waren. Auch im neuen Hotel waren sehr viele Russen. Sie sind total lästig.“

Verkäuferin Esma Dönmez (33) aus Berlin kommt gerade aus Bodrum: „Es waren sehr viele russische Urlauber da. Andere Urlauber waren richtig sauer, weil die Russen sich überall breit gemacht haben und sich total danebenbenehmen.“

Ute (54) und Dieter (56) Grimm aus Hamburg waren mit Tochter Julia (20) in Antalya: „Die Mehrheit der Urlauber in unserem Hotel waren Russen! Die haben sich Berge von Essen auf den Teller geladen, andere Gäste vom Büffet verdrängt.“

Carrie Imer (45), Ergotherapeutin aus Passau (Bayern) war in Izmir: „Die Russen sind recht laut und überdreht. Permanent trifft man betrunkene Russen, die durch die Hotelflure taumeln. Sie lärmen, knallen mit den Türen, dass man nicht schlafen kann.“

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Georgien versucht, die abtrünnige und russenfreundliche Provinz Süd-Ossetien zu erobern, bombadiert die Hauptstadt und setzt Raketenwerfer ein. Geschickt montiert und kommentiert ergibt sich freilich ein etwas anderes Bild:

Bilder lügen

Ver.di lügt

Ver.di lobt sich für einen „Meilenstein“. Die Deckelung der Gewinnbeiligung von 1,35% sei aufgehoben. Das ist wohl aber eine Veraschung der Beschäftigten, die Deckelung ist überhaupt nicht aufgehoben, sondern bleibt bei 2,4% bestehen. Klingen tut es bei ver.di in dem Flugblatt aber so, als sei jegliche Deckelung aufgehoben. So kann man Lügen, ohne die Unwahrheit zu sagen. Die Sprache machts möglich.

Konkret sollen nach Verdi-Angaben die Gehälter des Bodenpersonals rückwirkend zum 1. Juli um zunächst 5,1 Prozent steigen, ab Juli 2009 solle es weitere 2,3 Prozent mehr geben. Hinzu kommt eine Einmalzahlung mit einer ergebnisabhängigen Komponente je nach Geschäftsfeld von bis zu 2,4 Prozent eines Jahresgehalts, hieß es. Hier soll es mit dem Augustgehalt eine Einmalzahlung in Höhe von 1,5 Prozent des individuellen Gehaltes geben, eine gestaffelte Ergebnisbeteiligung kommt dazu: Da das Ergebnis der Lufthansa-Geschäftsfelder unterschiedlich gut ist, werden auch die Mitarbeiter unterschiedlich hoch beteiligt. Am höchsten fällt die Beteiligung dem Verdi-Sprecher Harald Reutter zufolge mit 0,9 Prozent bei der Technik aus. Der Tarifvertrag läuft bis Ende Februar 2010.

Quelle: afp

ver.di rechnet neu

Mal was am Rande. Vor der Tarifrunde rechnet ver.di so:

In den Medien heißt es zwar bisweilen, die Lufthansa biete ihren Beschäftigten 7,7 Prozent. Das stimmt aber nicht. Tatsächlich hat das Unternehmen nur 6,7 Prozent geboten – über eine Laufzeit von 21 Monaten – sowie eine Einmalzahlung von einem Prozent des individuellen Jahresgehalts. Umgerechnet aufs Jahr sind das nur rund 3,8 Prozent mehr – bei einer Inflationsrate von 3,3 Prozent einfach nicht genug.

http://verkehr.verdi.de/luftverkehr/airlines/lufthansa/2008/streik_faq/#verlangt_ver.di_nicht_zu_viel

Nach dem sagenhaften Abschluss schließt man sich nicht nur den Vorstellungen des Konzerns sondern gleich auch noch der Rechenweise an und redet über die Gesamtsumme und nicht die Jahressumme:

Rückwirkend zum 1.7. werden die Gehälter (…) um 5,1 Prozent erhöht. Ab 1. Juli 2009 kommt eine weitere Erhöhung von 2,3 Prozent hinzu. Das bedeutet: Insgesamt 7,4% mehr ab 1.7.2009.


http://verkehr.verdi.de/luftverkehr/airlines/lufthansa/2008/data/17776_flugi_a3_lh_ansicht.pdf

Kaum verwunderlich. So flexibel ist eine Gewerkschaft, die es allen ernstes wagt, sich für so was zu loben:

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft vertritt die Interessen der Lufthansa-Mitarbeiter/innen verantwortungsvoll und umsichtig. Das hat sich in vielen Krisen gezeigt, in denen die Beschäftigten zum Unternehmenserfolg beigetragen haben. Ihre Produktivität ist um fast ein Drittel gestiegen, ihre Realeinkommen jedoch nicht. So haben sie in den letzten zwei Jahren jeweils historische Rekordergebnisse erarbeitet. Nun sind endlich einmal die Beschäftigten dran.

Zensur in China

Verzweiflung macht sich breit im Lager der westlichen Korrespondenten. Wie sollen sie nur einen Artikel schreiben, wenn sie nicht auf ihre Newsticker von ai, Falun-Gong und CIA (alias Radio Free Asia) zurückgreifen können? Müssten sie da am Ende etwa anfangen, selber zu recherchieren? Richtig zu arbeiten?? Kann man das einem Journalisten zumuten??? Und dann sind auch noch all die geliebten Porno-Seiten gesperrt! Schlimm!! Das kann man doch keinem SPIEGEL-Redakteur zumuten, dass er seine Wichsvorlagen komplett auf DVD mit nach China schleppen muss!!!

Schlimm! Schlimm! Schlimm!!!

Nullrunde bei der Lufthansa

Was soll schon dabei herumkommen, wenn ver.di ihren Chef bestreikt?

Ver.di betreibt ja nicht einmal das normale Geschäft einer Gewerkschaft, die vom Betrieb verschärfte Arbeitshetze (man spricht von 30% Produktivitätssteigerung in den letzten Jahren) zu kompensieren. Wobei das Geschäft „Geld gegen Gesundheit“ natürlich nicht wirklich als Kompensation verstanden werden kann. Dass man nicht am Ast sägen darf, auf dem man sitzt, dass der Profit (bei Lufthanse dieses Jahr gar ein Rekordprofit von 750 Millionen) das Primäre und Unantastbare ist und eine Lohnerhöhung die davon abhängige, sich stets bescheiden zu gebende Variable, das findet seinen Ausdruck nicht nur in der Politik der Gewerkschaft, die Co-Management statt Lohnkampf betreibt, sondern findet im System der deutschen Mitbestimmung auch gleich noch sachgerecht in Personalunion statt. Bsirske wird von der Lufthanse als Vize-Aufsichtsratschef bezahlt, ist dem Wohl der Aktionäre verpflichtet und demenstprechend sieht dann ein Streik auch aus. Drei Tage peinlicher „Kämpfe“, die kaum einer mitkriegt, und am Ende eine Nullrunde, wenn man vom „Reallohn“ ausgeht. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass ver.di auch da, wo sie nicht in der Chefetage sitzt, kaum bessere Abschlüsse aushandelt. Solange die Mitglieder das alles schlucken geht das seinen Gang und sie gucken jedes Jahr in die Röhre und der Chef bumst sich durch die Malediwen.

Berufsstarter 2008

Was macht der Spiegel am liebsten? Sein junges Publikum portraitieren. Das sind studierte Affen mit einem Bachelor in Wirtschaftsinformatik und einem Auslandsaufenthalt in Neuseeland. Der Spiegel zeichnet in regelmäßigen Abständen das Psychogramm einer Generation, die es geschafft hat, sich die totale Unterwerfung unter die Wünsche der Firma, das Aussaugen von Lebenskraft im fast-forward-Modus für die Bilanz irgendeines Wirtschafsberatungsunternehmens, zum selbstbewußten Lebenszweck zu machen: „Seht her, was ich alles aushalten kann“, das ist die Quelle des Selbstbewußtseins dieser Leute. Das Projekt besteht darin, seinen Körper an seine absoluten Grenzen zu führen, weil er dem „Arbeitsgeber“ total zur Verfügung steht. Es wird kein Gedanke daran verschwendet, die Arbeit, die eigene Interessen nicht zulässt, einer Kritik zu unterziehen, vielmehr wird die Unmöglichkeit mit Null Freizeit eigene Interessen zu verfolgen zu einer Frage des geschickten Umgangs und des eigenen Willens Leid ertragen zu können uminterpretiert:

Mein nächstes Ziel ist kein Berufliches, sondern ein Privates: Ich will lernen, mit weniger Schlaf auszukommen und meine Freizeit so zu organisieren, dass sie mich nicht anstrengt, sondern mir Spaß macht.

Ich habe gelernt, mit weniger Schlaf auszukommen als früher. Und ich bin stressresistenter, lasse mich nicht mehr von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen. Ich entscheide schneller, bin pragmatischer und optimistischer geworden – für Problemchen und Kopflastigkeit fehlt mir die Zeit.

Null Freizeit ist kein Grund für Kritik an der Arbeit, sondern eine „Herausforderung“, der man sich selbstbewußt stellt, weil die 60-Stunden-Woche des „Arbeitgebers“ als unhinterfragbarer Sachzwang genommen wird:

Unter der Woche gehe ich nicht mehr aus, am nächsten Morgen will ich fit für die Arbeit sein.

Ich habe einen Beruf, in dem ich mich selbst verwirklichen kann. Jetzt muss es mir noch gelingen, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen.

Manchmal stört mich das ständige Planen. Zum Beispiel im August: Ich will aufs Robbie-Williams-Konzert gehen und muss mir dafür extra Urlaub nehmen – es ist nämlich unter der Woche. Aber daran gewöhne ich mich schon.

Statt sich das Interesse des „Arbeitgebers“ am zerstörerischen Verschleiß des eigenen Körpers und Geistes klar zu machen kommt es wie eine Art Naturkonstante vor, der man sich halt zu fügen hat. Und die man als „Herausforderung“ begreifen muss, um sich die Meinung zu bewahren, der Job wäre in Wahrheit für einen da, wäre von freundlichen Leuten zu dem Zweck eingerichtet, dass es einem im Leben nicht zu langweilig wird.

Klar stört es die Affen, kein Privatleben und keine Freunde mehr zu haben. Das Problem verorten sie allerdings in ihrem falschen Umgang mit der Freizeit. Am besten fahren jene, welche die Arbeit selbst zur Sphäre ihrer Selbstverwirklichung uminterpretieren, was sogar in Verehrung enden kann:

Trotzdem: Ich arbeite gern. Mit Kollegen etwas auf die Beine zu stellen, das ein Erfolg wird, ist ein echter Kick. Ich glaube, wer Spaß am Job hat, empfindet ihn nicht als Stress. Arbeiten hatte für mich immer etwas Mystisches

Und, grammatikalisch etwas schief:

Ich identifiziere mich viel über den Job: Bin ich mit meiner Arbeit unzufrieden, bin ich es auch mit mir.

Alle Zitate aus SPON von heute.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,563071,00.html